Bäume... der Menschheit äußeres Herz - Newsletter Februar 2009  

Ein Baum ist kein Traum
Er ist ein Magier
Er schluckt all die Lügen und
Spuckt aus die Wahrheit

Bäume sind der Menschheit äußeres Herz. Die Aussage der obigen Strophe versteht man, wenn man sich vorstellt, welche Urkraft die Bäume zwischen Wurzelstock und Krone in sich bergen. Im Gegensatz zu uns Menschen sind Bäume und Pflanzen autotroph, d.h., sie ernähren sich selbst durch Umwandlung anorganischer Nahrung in organische Stoffe. Sie atmen das ein, was wir ausatmen, verwandeln und verabreichen es uns zurück als Sauerstoff. Somit erneuern uns diese mit den Adern ihrer dünnen, feinen Wurzeln in die Erde und mit immer sprießenden Trieben in den Himmel ragenden Bäume, als wären sie unser äußeres Herz. Daher müssen wir Bäume als heilig betrachten, denn sie sind unentbehrlich für den Lebenserhalt der Menschheit. Nicht nur für unser Leben und für das der zukünftigen Generationen, sondern für das Überleben der Menschheit überhaupt sind sie unentbehrlich. Dies zeigt uns das Ausmaß und die Nachhaltigkeit, mit der sie bei ihrem Wachstum der Erdatmosphäre den Störenfried Kohlendioxid entziehen und unser Lebensspender: Sauerstoff uns verabreichen.

Mir wurde dies deutlich, als ich mich an einem herbstruhigen Tag - auch sie werden immer seltener - auf meinem regelmäßigen Waldspaziergang befand. Ich hörte das Rascheln der vergilbt verrötlichten Blätter, die in Abständen leise von den Ästen herabfielen. Ich hob mir ein paar auf, dachte kurz nach und stellte mir vor: Aus unsrer Umwelt haben die Blätter Kohlendioxid aufgesaugt, in sich gebunden und bis zur Unerträglichkeit ausgeharrt. Nun fallen sie verdorrt herab, werden mit Hilfe der Himmelstränen zu Moder und kehren zur Mutter Erde zurück, um sich und damit letztlich uns zu erneuern. So beflügelt uns der Mai dann wieder: Es grünt und duftet überall, dessen sich singend und tanzend nicht nur die Fauna erfreut. Fasziniert von diesem Schauspiel der Natur denke ich oft, dass ein Baum mehr ist als nur Ast- und Blattwerk, in dem die Vögel singen und die Eichhörnchen auf und ab rennen. Dies anmahnend zeigen sie uns, dass ein Baum lebendig ist wie du und ich, in dessen Wipfel der Sinn aller Lebenswelten entsteht... und weilt.

Aber welchen Qualen die Baumgerippe in den dunklen Wintermonaten ausgesetzt sind, kümmert uns Menschen kaum. Wir bewundern nur die baumwollartigen Schneeflocken, die auf den nackten Baumzweigen anhäufen, um ihren letzten Lebenselixier aufzusaugen. Ich spüre den Schmerz der Bäume, den sie aushalten, wie auf meinem eigenen Leib. Das Lebendige, das Leidende und das Scheidende in der Natur allgemein und die Spuren des Letzteren ins besondere versuche ich dann in meiner Dichtung festzuhalten.

Dem Internet und meinem Freund Stephan bin ich zu bäumigen Dank verpflichtet, dass sie meinem Plädoyer Flügel verliehen haben.

           Rajvinder Singh
     Berlin, Februar 2009